HYDROLYSE BEI TREKKINGSCHUHEN

Besser jetzt als kurz vor dem (Wander-)Urlaub. Wir haben einige aktuelle Fälle der letzten Wochen zum Anlass genommen, einen Beitrag aus 2016 noch einmal aktuell zu präsentieren. Noch ist genug Zeit – wenn die Sommerferien beginnen, wird es auch bei den Schuhherstellern im Service eng. Und im August haben die meisten Schuhersteller die alljährlichen Betriebsferien.

Es wird wärmer, die Outdoor-/Wandersaison steht vor der Tür. Unser Tipp: Einfach mal die Sohlen der eigenen Wanderschuhe kontrollieren!

Fakt ist: Die Sohlen von Wanderschuhen können sich Lösen. Das kann auf der Tour gefährlich sein – ärgerlich ist es auf jeden Fall. Und häufig haben wir von Kunden gehört, die ihre wenig benutzten Trekkingstiefel wieder aus dem Kellerregal nehmen wollten und feststellen mussten: Die Sohle bleibt liegen!

Was ist passiert? Hydrolyse heißt das Phänomen. Es beschreibt einen fortwährend ablaufenden Prozess, bei dem Wasser chemische Verbindungen aufspaltet – in diesem Fall das Polyurethan (PU) der Zwischensohle von Wanderschuhen. Diese Zwischensohle dient als dämpfendes und stabilisierendes Bindeglied zwischen Schaft und Profilsohle. Das Material nimmt ganz langsam Feuchtigkeit auf und verändert seine Eigenschaften. Weichmacher im PU verschwinden. Es wird härter , poröser – irgendwann beginnt die Zwischensohle zu bröseln und löst sich im Extremfall ganz auf. Die Sohle fällt ab.

 

Ist Hydrolyse ein Zeichen mangelnder Qualität?

Nein, eher im Gegenteil. Gerade Schuhe, die aufgrund ihrer hochwertigen Machart alt werden, leiden unter dem zeitabhängigen Prozess der Hydrolyse. Nun ist nicht jedes PU-Material gleich. Es gibt im Sohlenbereich PU auf Ester- oder Ether-Basis. Beide haben ihre Vor- und Nachteile bezüglich Dauerhaftigkeit der Dämpfung, Elastizität, mechanischen Festigkeit, UV- und Mikrobenbeständigkeit usw. Fast alle guten Hersteller setzen auf PU auf Ester-Basis. Es ist in der Summe seiner Eigenschaften das geeignetste Material – trotz der Hydrolyse. Somit haben auch alle Hersteller mit dieser Form der Altersschwäche zu kämpfen.

Warum nehmen die Hersteller nicht einfach anderes Material?

Weil in den meisten Fällen nur PU die dringend notwendige Dämpfung des Sohlenaufbaus über einen längeren Zeitraum gewährleistet. PU wird gegossen, man erkennt es an der glatten Oberfläche. EVA-Zwischensohlen (offenporiges Material) hat z.B. kein Hydrolyseproblem. Dafür bietet es deutlich eingeschränkte Dämpfungseigenschaften, zudem lässt die Dämpfung deutlich schneller nach.

Passiert das bei allen Schuhtypen?

Nein. Auch die Konstruktion hat einen Einfluss – so kann das Hydrolyseproblem bei  zwiegenähten/trigenähten Konstruktionen nicht auftreten (hier gibt es keine Zwischensohle).

Wann/wie schnell leiden Zwischensohlen unter Hydrolyse?

Die Faktoren Zeit und Art der Lagerung beeinflussen Maßgeblich die Geschwindigkeit der Hydrolyse. In der Branche existiert die Ansicht, dass der Gebrauch der Schuhe einen positiven Einfluss hat. Bei Schuhen, die ewig unbenutzt im Keller gestanden haben, spricht man demzufolge auch von einem „Lagerschaden“. Ganz eindeutig ist dieser Zusammenhang aber nicht geklärt. Dennoch scheint der Gebrauch keinen negativen Einfluss auf das Fortschreiten der Hydrolyse zu haben – und schließlich sollen die guten Stücke ja auch bewegt werden! Ziemlich eindeutig ist allerdings der Einfluss von Temperatur und Feuchtigkeit geklärt – hohe Temperaturen und eine hohe (Luft-)Feuchtigkeit haben einen spürbar negativen Einfluss auf die Hydrolyse und verstärken sie.  Untersuchungen der Fa. LOWA in Zusammenarbeit mit dem engl. Prüfinstitut SATRA haben z.B. das Ergebnis gebracht, das in Taiwan die Hydrolyse um den Faktor 2,5 schneller verläuft. Ebenso sollten Jauche und Mist (Mikroben) von den Schuhen ferngehalten werden.

Die beste Art der Lagerung ist also: Luftig, kühl und trocken. Hilfreich sind hier unsere Pflegetipps!

Mit dem Tag der Produktion (übrigens oft in heißfeuchten Klimaten der asiatisches Produktionsstätten…) beginnt auch die Hydrolyse. Im Normalfall dauert es aber etliche Jahre, bevor es „gefährlich“ wird. Schuhhersteller empfehlen, nach ca. 6-8 Jahren über einer Neubesohlung nachzudenken. Das geht bei allen Modellen, die „gezwickt“ sind (z.B. allen Hanwag-Modellen, und etlichen Modelln von Meindl, Lowa, Scarpa, La Sportiva…). Nur „gestrobelte“ Modelle lassen aufgrund ihrer Machart keine Neubesohlung zu.

Da die Hydrolyse von innen beginnt, ist sie leider nicht so ohne weiteres von außen zu entdecken. Hier hilft nur ein sorgfältiges Probetragen. Und wer unsicher  ist und auf der Tour keinen Sohlenverlust erleiden möchte, sollte seine Schuhe bei entsprechendem Alter über uns zur Neubesohlung einschicken lassen – also im besten Fall JETZT…. Das Quo Vadis Team hilft bei Fragen gerne weiter!