Sicher Sichern

SICHER SICHERN? DIE NEUE SICHERUNGSGERÄTEEMPFEHLUNG DES DAV

In den letzten Monaten hat sich, forciert durch Unfälle in Kletterhallen eine Diskussion über Art und Umgang mit Sicherungsgeräten entwickelt. Als Konsequenz hat der Deutsche Alpenverein (DAV) eine neue Empfehlung heraus gegeben, die hier für Interessierte kurz erläutert werden soll:

Bei den Sicherungsgeräten wird zwischen „Halbautomaten“ und „dynamischen Sicherungsgeräten“ unterschieden. Letztere umfassen neben der HMS-Sicherung vor allem die Tuber (ATC & Co.), die sich in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt hatten.

Der DAV empfiehlt ab sofort für das Sichern beim Sportklettern in Kletterhallen und Klettergärten die „Halbautomaten“. Warum?

  1. Während die bisher favorisierten dynamischen Sicherungsgeräte“ reine Bremskraftverstärker sind, greift bei den Halbautomaten zusätzlich eine Blockierunterstützung.
  2. Halbautomaten arbeiten nahezu unabhängig von der Handkraft des Sichernden, Tuber nicht.
  3. Halbautomaten verzeihen eher Sicherungsfehler (z.B. falsche Positionierung der Bremshand).
  4. In Kletterhallen (und –teilw. auch –Gärten) gibt es reichlich Ablenkungspotential für den Sichernden, sowohl akustisch als auch optisch.
  5. Durch den meist rel. geraden Seilverlauf gibt es weniger Seilreibung als im Fels.
  • Daraus ergibt sich (nach umfangreichen Tests und Unfallanalysen der DAV-Sicherheitsforschung), dass mit der Verwendung von Halbautomaten das Risikos eines Bodensturzes in künstlichen Kletteranlagen und Klettergärten verringert werden kann. Die Chance, dass trotz eines Sicherungsfehlers ein Bodensturz verhindert werden kann, ist größer.

Zur Begriffserklärung:

„Halbautomaten“ sind Sicherungsgeräte mit Blockierunterstützung. Die bekanntesten sind aktuell das „Grigri“ von Petzl und das „Matik“ von Camp. Beide arbeiten karabinerunabhängig (können also mit verschiedenen Karabinern verwendet werden) und sind einzeln im Fachgeschäft zu kaufen. Eine Untergruppe der Halbautomaten bilden die „Autotuber“ wie ClickUp, Ergo, Megajul, Jul2 und Smart. Aufgrund der Anatomie der Geräte kann das Seil zwischen Karabiner und Gerät eingeklemmt werden und blockiert so. Diese Wirkung ist (in unterschiedlichem Maße) karabinerabhängig. Diese Geräte werden sinnvollerweise nur mit den perfekt passenden Karabinern verkauft. Bei den Autotubern funktioniert die Blockierfunktion nur, wenn die Bremshand an der richtigen Position ist bzw. diese beim Seilausgeben schnell wieder einnimmt. Die Bremshand muss nicht nur wie bei den Halbautomaten am Seil sein, sondern muss auch nach unten zeigen.

Und die „alt bewährten Tuber“?

Sie haben auch weiterhin ihre Berechtigung und Vorteile. Nur eben nicht in künstlichen Kletterhallen und Klettergärten. Explezit ausgenommen in der Empfehlung des DAV ist z.B. das Sichern in Mehrseillängenrouten, wo dynamische Sicherungsgeräte weiterhin der Standard sind. Und es gibt z.B. mit dem Pivot von DMM tolle neue Geräte, mit ATC & Co. viele altbewährte …

Hier einige Situationen, in denen dynamische Sicherungsgeräte von Vorteil sind:

  • Wenn der Kletternde deutlich leichter als der Sichernde ist.
  • Wenn viel Seilreibung zu erwarten ist (Felstouren, Alpintouren).
  • Wenn am Wandfuß kein körperdynamisches Sichern (Sichernde geht beim Sturz mit dem ganzen Körper mit, braucht Platz und Selbstsicherung) möglich ist.
  • In komplexem Sturzgelände (z.B. Absätze, Dachkanten).
  • Im gesamten alpinen Bereich (Standplatzsicherung, Mehrseillängen).

Grundsätzlich gilt:

Sichern will gelernt sein! Da jedes Gerät seine Eigenheiten in der Handhabung hat, muss das Sichern damit erlernt und geübt werden. Dazu ist Sichern natürlich mehr als nur „das Gerät“: Der Partnercheck, konstante Aufmerksamkeit, eine optimale und variable Positionierung und die Vermeidung von Schlappseil muss immer beachtet werden!

Die original Presseerklärung vom 15.09.2015 findest Du hier: www.alpenverein.de

Eine Sammlung hilfreicher Fragen und Antworten zum Thema findest Du hier: www.alpenverein.de